Nebengewerbe gründen und führen: Was muss ich beachten?

Vielen Menschen reichen die Einnahmen aus der hauptberuflichen Tätigkeit nicht aus. Viele erwägen, sich mit einem Online-Shop oder einer selbstständigen Nebentätigkeit etwas Geld hinzuzuverdienen. Dies ist möglich, wobei du in den meisten Fällen eine offizielle Anmeldung des Nebengewerbes vornehmen musst. Hiermit sind einige rechtliche und steuerliche Pflichten verbunden, die dich jedoch nicht von deinem Ziel abbringen sollten, mit einem selbstständigen Nebenverdienst dein Leben finanziell besser zu gestalten.

Was unterscheidet das Nebengewerbe von einem gewöhnlichen Gewerbe?

Als Gewerbe wird grundsätzlich jede Erwerbstätigkeit bezeichnet, die du frei und selbstständig mit dem Ziel einer regelmäßigen Gewinnerzielung durchführst. Dies kann vom Kaufmann mit einem Online-Shop bis zu handwerklichen Dienstleistungen ein großes Spektrum abdecken. Die Unterscheidung zwischen Neben- und Hauptgewerbe findet statt, um seitens des Gesetzgebers und Finanzamtes deinen Arbeitsaufwand richtig abschätzen zu können. Ein Nebengewerbe kann also nur gegründet werden, wenn du parallel noch eine angestellte Haupttätigkeit ausübst.

Beachte, dass auch beim Nebengewerbe die gleichen Maßstäbe für Freiberufler gelten wie beim Hauptgewerbe. Wenn du einer freien Berufsgruppe angehörst bist du deshalb nicht zu einer Anmeldung beim Gewerbeamt verpflichtet. Natürlich musst du deinen Gewinn versteuern, allerdings gibt es bezüglich Steuer und Buchhaltung einige Vorteile. Zu den wichtigsten freien Berufsgruppen gehören:

  • Künstler und Journalisten
  • Hebammen
  • Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater & Co.
  • Handwerksmeister
  • Ärzte und weitere medizinische Berufsbilder
  • freie Lehrer und Dozenten

Kläre unabhängig von einem geplanten Haupt- oder Nebengewerbe ab, ob deine nebenberufliche Selbstständigkeit als Freiberuf ausgeübt werden kann. Die Sachbearbeiter im Gewerbeamt helfen Gründern bei der Einschätzung.

Welche rechtlichen Maßstäbe gelten für die gewerbliche Nebentätigkeit?

Wichtigster Maßstab für die Bewertung des Nebengewerbes ist die wöchentliche Arbeitszeit. Nach aktueller Gesetzeslage darfst du maximal 18 Stunden pro Woche aufbringen, um deinem selbstständigen Nebenjob nachzugehen. Dabei nimmt der Gesetzgeber an, dass du noch eine Hauptarbeit mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 18 Stunden hast.

Die selbstständige Tätigkeit im Nebenberuf sollte außerdem deinen Hauptberuf nicht wirtschaftlich übersteigen. Pauschal gesagt solltest du im Nebengewerbe nicht mehr als im Hauptberuf verdienen, auch wenn hier weniger strenge Richtlinien, als bei der wöchentlichen Arbeitszeit angelegt werden. Generell gibt es im Nebengewerbe keine Einschränkungen was den Verdienst der Arbeit angeht. Ein Großteil von Selbstständigen betreibt ihre Tätigkeit als Kleingewerbe und profitiert von der Kleinunternehmer-Regelung für die steuerliche Erfassung. Du darfst aber auch deutlich mehr verdienen, solange die Nebeneinnahmen nicht deinen Hauptberuf übertrumpfen.

Wo und wie muss ein Nebengewerbe gegründet werden?

Für jede Art von Gewerbe musst du eine offizielle Anmeldung beim Gewerbeamt deiner Stadt oder Gemeinde vornehmen. Hier wirst du ein Formular ausfüllen, um grundlegende Daten über dich und dein Unternehmen anzugeben. Die Mitarbeiter im Gewerbeamt helfen außerdem bei der Einschätzung, ob deine Berufstätigkeit den Maßstäben eines Freiberufs genügt.

Durch die Anmeldung erhältst du einen Gewerbeschein. Dieser gewährt dir als offizielles Dokument, dass du gewerblich handeln darfst und zu einem seriösen, eingetragenen Partner für Kunden und Geschäftskontakte wirst. Deine Gewerbeanmeldung ist vom Gesetzgeber zwingend vorgeschrieben, da ansonsten Institutionen wie das Finanzamt oder die Krankenkasse nichts von deiner nebenberuflichen Tätigkeit erfahren würden. Du kommst um diesen ersten Schritt auf dem Weg zum Nebengewerbe also nicht herum.

Welche Kosten fallen bei der Gewerbeanmeldung an?

Gründer müssen eine Gebühr zahlen, wenn sie ihr Gewerbe offiziell anmelden. Dabei machen die Ämter keinen Unterschied, ob es sich um ein Haupt- oder Nebengewerbe handelt. In Deutschland gibt es keine einheitliche Gebührenordnung für die Anmeldung, der Betrag wird von jeder Stadt oder Gemeinde individuell festgelegt. Du solltest mit Kosten im Bereich von 30 bis 70 Euro für die Gewerbeanmeldung rechnen. Um das Zahlen des Betrags kommst du nicht herum – es sei denn, du gehst freiberuflichen Tätigkeiten nach und musst keine offizielle Gewerbeanmeldung durchführen.

Gibt es weitere Anmeldepflichten, beispielsweise im Handelsregister?

Nachdem du die Anmeldung beim Gewerbeamt durchgeführt hast wirst du je nach Gewerbeart von weiteren Behörden und Einrichtungen kontaktiert. In manchen Fällen musst du diesen bereits vor deiner Gewerbeanmeldung einen Besuch abstatten, damit diese überhaupt durchgeführt werden kann. Ohne eigenes Zutun wird sich das Finanzamt deiner Stadt oder Gemeinde bei dir melden und einen steuerlichen Erfassungsbogen zustellen. Hast du diesen ausgefüllt und zurückgesendet wird dir eine Steuernummer zugeteilt. Ohne diese kannst du keine Rechnungen schreiben. Andere Institutionen, mit denen du je nach Nebengewerbe zu tun hast, werden im Folgenden kurz dargestellt.

Handelsregister

Wenn du als eingetragener Kaufmann (e. K.) mit anderen Kaufleuten als offizielle Handelsgesellschaft oder als Kapitalgesellschaft, wie eine GmbH, tätig werden möchtest, muss zwingend der Eintrag ins Handelsregister erfolgen. Dieser Eintrag wird nicht von dir selbst durchgeführt, sondern durch einen Notar. Du erhältst einen entsprechenden Hinweis durch das Gewerbeamt. Die Eintragung ins Handelsregister solltest du nicht lange herauszögern. Denke in beiden Fällen daran, einen Namen für dein Nebengewerbe festzulegen und zu prüfen, ob dieser noch nicht vergeben ist. Ansonsten drohen namens- und markenrechtliche Streitigkeiten bis hin zur Schadensersatzforderung.

Berufsgenossenschaft

In verschiedenen Berufsgruppen, beispielsweise als Handwerker, wirst du zwingend Teil einer Berufsgenossenschaft. In dieser haben sich alle Angehörigen des Berufs organisiert. Die Mitgliedschaft bietet dir als Gründer einige Vorteile, zum Beispiel kannst du dich mit anderen Berufsangehörigen austauschen. Manche Genossenschaften bieten außerdem eigene soziale Konzepte, etwa um ihren Mitgliedern eine starke Altersvorsorge zu günstigen Konditionen anzubieten. Gründer müssen diese Anmeldung spätestens eine Woche nach ihrem Besuch beim Gewerbeamt durchführen. Von dieser Regelung gibt es nur wenige Ausnahmen, beispielsweise für landwirtschaftliche Betriebe.

IHK oder HWK

Die meisten selbstständigen Tätigkeiten sind in die Sparten Industrie, Handel oder Handwerk einzuordnen. In diesen Fällen musst du dich auch mit einem Nebengewerbe bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder bei der Handwerkskammer (HWK) anmelden. Bei einer erfolgreichen Anmeldung wird dir ein entsprechendes Dokument ausgestellt, das du bei der Gewerbeanmeldung im Amt vorlegen musst.

Beachte, dass für die Mitgliedschaft bei der IHK oder HWK Beiträge fällig werden. Diese werden individuell kalkuliert und liegen grob im niedrigen dreistelligen Eurobereich pro Jahr. Wenn du dein Nebengewerbe als Kleingewerbe betreibst, ist eine Beitragsbefreiung möglich. Hier solltest du dich rechtzeitig informieren, beispielsweise bevor du über die Gründung einer GmbH oder einer anderen Rechtsform nachdenkst.

Muss der Arbeitgeber über das Nebengewerbe informiert werden?

Jedem Bundesbürger steht es offen, sich im Nebenberuf selbstständig zu machen. Hierbei spielt es keine Rolle, ob und welche Art von Arbeit hauptberuflich ausgeübt wird. Nicht jeder Arbeitgeber wird es jedoch gerne sehen, wenn Angestellte neben ihrem Hauptjob bis zu 18 Stunden in der Woche für einen Nebenerwerb einsetzen. Allerdings wissen viele Chefs hierzulande auch, dass Angestellte auf einen Nebenjob angewiesen sind und anstelle einer Freizeitgestaltung zusätzlich einer Nebentätigkeit nachgehen. Ob du hierüber deinen Arbeitgeber informieren musst, hängt von der Gestaltung deines Arbeitsvertrags ab. In diesem wirst du häufig einen Passus finden, der eine Mitteilung über ein aufgenommenes Nebengewerbe verlangt. Fehlt eine solche Formulierung, darfst du ohne weiteres nebenbei arbeiten und musst dies deinem Chef nicht mitteilen.

Kann der Chef die Gründung eines Nebengewerbes verbieten?

Aus der reinen Mitteilung über deine nebenberufliche Tätigkeit ist nicht herzuleiten, ob diese von deinem Unternehmen erlaubt wird. Auch hier gibt es Formulierungen in Arbeitsverträgen, die dir mehr oder weniger Freiheiten einräumen. Eine typische Einschränkung gilt für Tätigkeiten, mit denen du in Konkurrenz zu deinem Hauptberuf stehst. Wenn du als Angestellter deiner Arbeit in einem Warenhaus nachgehst und privat mit einem Online-Shop vergleichbare Produkte verkaufst, wird dein Chef dies verhindern wollen.

Achte auch hier auf die genaue Formulierung, die du in deinem Arbeitsvertrag findest. Bei Unklarheiten suche das offene Gespräch mit deinem Arbeitgeber und erkläre, was du genau mit deinem Nebengewerbe planst. Vielleicht räumst du so erste Zweifel aus dem Weg und kannst wie gewünscht deiner selbstständigen Nebentätigkeit nachgehen.

Krankenkasse, Rente & Co.: Was passiert mit der Sozialversicherung?

Für Selbstständige in einem Hauptgewerbe besteht in den meisten Branchen die Wahlmöglichkeit zwischen der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung. Dies gilt bei der Gründung eines Nebengewerbes nicht, wenn du mit deinem Hauptberuf verpflichtend gesetzlich versichert bist. Der Wechsel in einen Volltarif der PKV ist nur möglich, wenn du mit deinen Haupteinnahmen die Versicherungspflichtgrenze übersteigst.

Für die Krankenversicherung gilt genau wie in anderen Sparten – von der Pflegeversicherung bis zur Rentenversicherung – die Beitragskalkulation anhand all deiner Einnahmen. Nimmst du neben deinem Hauptberuf ein Nebengewerbe auf und erzielst hier Umsätze, musst du entsprechend höhere Beiträge in deine soziale Absicherung einzahlen. Eine wichtige Grenze stellt die Beitragsbemessungsgrenze für gesetzlich Versicherte dar. Wird diese erreicht, bleibt der Beitrag unabhängig von höheren Einnahmen aus einer oder mehreren Tätigkeiten auf einem konstanten Niveau.

Die private Krankenversicherung steht den meisten Arbeitnehmern mit einem Nebengewerbe nicht zur Verfügung. Wenn du dennoch eine stärkere Absicherung für deine Gesundheit wünschst, kannst du Zusatztarife bei privaten Anbietern abschließen. Der Nachteil gegenüber der Vollmitgliedschaft in der PKV: Die Beiträge für solche Zusatztarife entrichtest du selbst aus deinen Nettoeinnahmen.

Den Gewinn aus deinem Nebengewerbe korrekt versteuern

Das Thema Steuer ist für Gewerbetreibende in einer Nebentätigkeit mit einem Hauptgewerbe vergleichbar. Du musst jährlich deine reguläre Steuererklärung abgeben und neben der Einkommensteuer aus deinem Hauptberuf auch alle Einnahmen aus der Nebentätigkeit angeben und versteuern. Hierbei gibt es Unterschiede, ob du als Kleingewerbe zählst oder die Nebentätigkeit in Rechtsformen wie einer GmbH ausübst.

Als Kleingewerbe reicht das Einreichen der Einnahmen-Überschuss-Rechnung vollkommen aus, um deinen Gewinn aus der selbstständigen Arbeit anzugeben und zu versteuern. In anderen Rechtsformen bist du zu einer doppelten Buchführung verpflichtet und musst eine echte Bilanzierung mit Jahresabschluss vornehmen. Gerade kleineren Nebengewerben, die mit einem überschaubaren Geschäftserfolg in der Gründungszeit rechnen, ist das Kleingewerbe aus diesen formalen Gründen eher zu empfehlen.

Außerdem bist du zur Zahlung von Gewerbesteuer verpflichtet, egal ob du ein Haupt- oder Nebengewerbe führst. Der Gesetzgeber räumt einen Freibetrag von 24.500 Euro ein. Erst oberhalb dieser Grenze versteuerst du deine gewerblichen Einnahmen effektiv. Gerade für ein Nebengewerbe liegt der genannte Grenzbetrag hoch, sodass du meist ohne Gedanken an die Gewerbesteuer arbeiten kannst.

Besonderheiten bei Gewerbetätigkeiten als Kleinunternehmer

Grundsätzlich musst du auf deinen Rechnungen auch Umsatzsteuer ausweisen für die eine gesonderte Steuererklärung zu erstellen ist. Abweichend von dieser Pflicht profitierst du von der Kleinunternehmer-Regelung. Diese steht dir offen, wenn du im abgelaufenen Geschäftsjahr keine 17.500 Euro im Nebengewerbe eingenommen hast und im aktuellen Jahr nicht über 50.000 Euro kommen wirst. In diesem Fall erlaubt die Kleinunternehmer-Regelung bei einem Hinweis auf § 19 Absatz 1 UStG im Rechnungsschreiben keine Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen auszuweisen. Du kannst dich dennoch freiwillig für die Versteuerung und die Beantragung einer Umsatzsteuer-Identifikationsnummer entscheiden. Dies lohnt vorrangig, wenn du zu Beginn deiner nebengewerblichen Tätigkeit mit hohen Investitionen rechnest und du hier gezahlte Umsatzsteuer steuermindernd anrechnen musst.

Darf in der Arbeitslosigkeit ein Nebengewerbe geführt werden?

Grundsätzlich ist es dir erlaubt, in Phasen von Arbeitslosigkeit ALG-I zu beziehen und zeitgleich ein Nebengewerbe zu führen. Allerdings darfst du maximal 15 Stunden pro Woche in diese Tätigkeit investieren, da du ansonsten nicht mehr als arbeitslos giltst. Auch die monatlichen Einnahmen aus dem Nebengewerbe sind auf 165 Euro begrenzt. Falls deine Einkünfte diesen Betrag übersteigen, werden die Zusatzeinnahmen auf dein bezogenes Arbeitslosengeld angerechnet. Es kann außerdem zu Problemen kommen, wenn du den Gründungsausschuss der Arbeitsagentur beanspruchen möchtest, jedoch nur ein Neben- statt Hauptgewerbe gründest.

Mit dem Know-how von Experten erfolgreich ein Nebengewerbe gründen

Bis du ein angemeldetes Gewerbe führen kannst sind einige formale Hürden zu überwinden. Von der Anmeldung bei allen zuständigen Stellen bis zur korrekten Information der Renten- und Krankenversicherung sind viele Punkte zu bedenken, die Existenzgründer im Nebenerwerb schnell überfordern. Nutze für den Einstieg die Beratung durch einen Gründungscoach oder einen vergleichbaren Dienstleister. Dieser ist mit allen Formalitäten bei der Gründung eines Haupt- oder Nebengewerbes vertraut und ebnet dir den Weg für einen erfolgreichen Einstieg ins selbstständige Berufsleben. Mit dieser Unterstützung wirst du stressfreier durchstarten, auch wenn du parallel noch deinem Hauptberuf motiviert nachgehst.

Alle hier genannten Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Wir weisen jedoch daraufhin, dass wir keine Haftung für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der gemachten Angaben übernehmen können. Insbesondere ersetzt dieser Inhalt keine rechtliche oder steuerliche Beratung im Einzelfall. Für eine Beratung in rechtlichen oder steuerlichen Angelegenheiten wende dich bitte an einen Anwalt oder Steuerberater deines Vertrauens.