Was ist eine Einzelunternehmung und welche Vor- und Nachteile bietet sie?

Dem Statistischen Bundesamt zufolge gibt es in Deutschland mit Abstand mehr Einzelunternehmer als Personen- oder Kapitalgesellschaften. Mehr als 70 Prozent der Unternehmen – vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen – sind in dieser Rechtsform organisiert. Aus gutem Grund: Kaum eine andere Rechtsform eröffnet so viel Gestaltungsfreiheit im Rahmen der Gründung und im Geschäftsalltag. Was sie so besonders macht, wo ihre Vor- und Nachteile liegen und wie schnell und einfach du ein Einzelunternehmen gründen kannst, das erfährst du hier.

Was genau ist eine Einzelunternehmung?

Jede natürliche Person, die sich selbstständig betätigt und dabei auf die Gründung einer Ein-Personen-Kapitalgesellschaft verzichtet, betreibt ein Einzelunternehmen. Die Bezeichnung bezieht sich ausschließlich auf den Gründer und Geschäftsführer – ob du Mitarbeiter beschäftigst, ist dafür nicht relevant. Das Einzelunternehmen ist eine eigene Rechtsform, die immer dann entsteht, wenn

  • Freiberufler,
  • Gewerbetreibende oder
  • Land- und Forstwirte

in die Selbstständigkeit starten. Gekennzeichnet ist es dadurch, dass es in der Regel

  • inhabergeführt ist,
  • der Inhaber vollumfängliche Gestaltungsfreiheit besitzt,
  • kein Mindest-Gründungskapital benötigt wird und
  • der Inhaber auf eigene Rechnung und eigenes Risiko agiert – also auch vollumfänglich mit seinem Privatvermögen für sämtliche Schulden des Unternehmens haftet.

Einzelunternehmungen eignen sich damit zum einen ideal für Existenzgründer, um die Gründung schnell und kostengünstig zu gestalten. Zum anderen ist diese Rechtsform für all diejenigen geeignet, die

  • in hohem Maße Gestaltungs- und Handlungsfreiheit schätzen,
  • gleichzeitig keinen großen Finanzbedarf haben und
  • deren unternehmerisches Haftungsrisiko überschaubar ist und bleibt.

Sobald Haftungsrisiken in großem Maße zunehmen bzw. nicht mehr versicherbar sind oder der Finanzierungsbedarf deutlich wächst, bietet es sich an, einen oder mehr neue Gesellschafter aufzunehmen und umzufirmieren.

Sind Einzelunternehmer und Einzelgründer dasselbe?

Die Begriffe Einzelunternehmer und Einzelgründer werden gern synonym verwenden, bezeichnen allerdings nicht ganz dasselbe. Grundsätzlich gilt: Alle Einzelunternehmer sind Einzelgründer, aber nicht alle Einzelgründer sind Einzelunternehmer. Verwirrend, oder? Hier ein Erklärungsversuch:

Das Einzelunternehmen gilt als eigene Rechtsform und wird den Personengesellschaften zugeschlagen. Gegründet und geführt wird es von einer einzelnen natürlichen Person, dem Einzelunternehmer. Zu den typischen Einzelunternehmern zählen der eingetragene Kaufmann (e. K.), Kleingewerbetreibende und Freiberufler. Im Gegensatz dazu können Einzelgründer auch eine Ein-Personen-Gesellschaft wie die UG (haftungsbeschränkt) oder eine 1-Personen-GmbH gründen, die zu den Kapitalgesellschaften zählen.

Typische Rechtsformen für Einzelunternehmen

Auch wenn der Terminus Einzelunternehmen rechtlich gebräuchlich ist, musst du dich im Rahmen der Unternehmensgründung entscheiden, wie du künftig auftreten willst. Wie bereits erwähnt, hast du die Wahl zwischen einem Dasein als

  • Freiberufler,
  • eingetragener Kaufmann (e. K.) oder
  • Kleingewerbetreibender.

Freiberufler

Welche Professionen zu den sogenannten freien Berufen zählen, regelt §-18-EStG. Es obliegt damit dem Finanzamt, über deinen Freiberufler-Status zu entscheiden. Zu den freiberuflich Tätigen zählst du, wenn du einen

  • erzieherischen,
  • künstlerischen,
  • schriftstellerischen,
  • unterrichtenden oder
  • wissenschaftlichen

Beruf eigenverantwortlich, fachlich unabhängig und persönlich im Interesse der Allgemeinheit oder deines Auftraggebers ausübst. Grundlage deines Berufs sollte entweder eine besondere schöpferische Begabung oder eine hohe berufliche Qualifikation (etwa in Form eines Studienabschlusses und relevanter Weiterbildungen) sein.

Mit anderen Worten: Um als Freiberufler vom Finanzamt anerkannt zu werden, musst du im Rahmen der erstmaligen Erfassung einschlägige Kenntnisse nachweisen, etwa in Form deines Studienabschlusses, Meisterbriefs, in Form von bereits geschaffenen künstlerischen Arbeiten oder einer Mitgliedschaft in einer Standesvertretung (zum Beispiel Ärztekammer).

Im Hinblick auf die Buchführung und Verwaltung besitzen Freiberufler einen Sonderstatus. Sie sind nicht gewerbesteuerpflichtig, können eine einfache Buchführung nutzen und ermitteln ihren Gewinn mittels einer einfachen Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR).

Eingetragener Kaufmann (e. K.)

Ein eingetragener Kaufmann führt ein Handelsgewerbe und zeichnet sich dadurch aus, dass er als natürliche Person einen Eintrag im Handelsregister besitzt. Er wird auch als Ist-Kaufmann bezeichnet und unterliegt den vergleichsweise strengen Regeln des Handelsgesetzbuches. Dieser Status geht mit zahlreichen Verpflichtungen einher, unter anderem der Pflicht

  • zur doppelten Buchführung,
  • zur Inventur sowie
  • zur Bilanzierung.

Beachten solltest du auch, dass eingetragene Kaufleute vollumfänglich mit ihrem Privatvermögen haften. Zu den größten Vorteilen dieses Status zählt, dass Einzelkaufleute Zweigniederlassungen gründen dürfen – ein Privileg, das ansonsten nur juristischen Personen vorbehalten ist. Darüber hinaus wirkt sich ein Handelsregistereintrag vertrauensfördernd auf potenzielle Geschäfts- und Finanzierungspartner, aber auch auf Kunden und Behörden aus.

Kleingewerbetreibender

Das Kleingewerbe ist eine sehr einfache und schnelle Möglichkeit, als Unternehmer in die Selbstständigkeit zu starten. Eine besondere Registrierung benötigst du dafür nicht – sobald du deine Tätigkeit aufnimmst, gilt dein Unternehmen als gegründet.

Auch als Kleingewerbetreibender haftest du vollumfänglich mit deinem gesamten Privatvermögen für die Schulden deines Unternehmens. Du besitzt den Status eines Kann-Kaufmanns, sprich: Du kannst dein Gewerbe im Handelsregister eintragen lassen, bist dazu aber nicht verpflichtet. Ob sich dieser Schritt für dich lohnt, musst du im Einzelfall abwägen, da die damit erworbene Kaufmannseigenschaft mit besonderen Rechten und Pflichten einhergeht.

Als Kleingewerbetreibender bist du zur Entrichtung der Gewerbesteuer verpflichtet. Die Buchführung gestaltet sich einfach, da du nur zur einfachen Überschussrechnung und Buchführung verpflichtet bist – zumindest solange du nicht im Handelsregister eingetragen bist und bis zu einer Umsatzgrenze von 600.000 Euro pro Jahr oder einer Gewinngrenze von 60.000 Euro jährlich. Überschreitest du diese Grenze, führst du ein Unternehmen in kaufmännischer Weise und bist wie ein Ist-Kaufmann zur entsprechenden Buchführung verpflichtet.

So einfach funktioniert die Gründung einer Einzelunternehmung

Als Einzelunternehmer hast du den Vorteil, dein Unternehmen sehr schnell, einfach und kostengünstig gründen zu können. Im einfachsten Fall bist du ein Freiberufler und benötigst neben einem Geschäftskonto lediglich eine Steuernummer. Dazu zeigst du deine Selbstständigkeit beim Finanzamt an, das dir daraufhin den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zusendet. Auf Basis deiner Angaben darin fällt die Entscheidung über deinen Freiberufler-Status. Sobald du deine Steuernummer erhalten hast, kannst du durchstarten. Ähnlich einfach gestaltet sich auch die Gründung als Kleingewerbetreibender. Im Rahmen der Gründung

  • eröffnest du ein Geschäftskonto,
  • zeigst du deine Selbstständigkeit beim Finanzamt an,
  • beantragst du beim Gewerbeamt deinen Gewerbeschein und
  • setzt du dich mit den Anforderungen und Verpflichtungen in Zusammenhang mit der zuständigen Berufsgenossenschaft und der IHK bzw. HWK auseinander.

Achtung: Je nach Art deines Gewerbes musst du gegebenenfalls besondere Auflagen und Meldepflichten erfüllen, etwa bei Betrieb eines Gastgewerbes oder als Handwerker.

Die Gründung als eingetragener Kaufmann erfolgt in ähnlicher Weise – nur, dass du zusätzlich den Eintrag im Handelsregister vornehmen musst. Der Eintrag erfolgt am zuständigen Gericht. Da du dafür einen Notar benötigst, ist die Gründung eines Einzelunternehmens als eingetragener Kaufmann die zeitlich und finanziell aufwändigste Option.

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Brauche ich ein Mindestkapital?

Einer der größten Vorteile des Einzelunternehmens ist, dass du kein Mindest-Startkapital dafür benötigst. Was nicht bedeutet, dass du nicht auf jeden Fall über einige finanzielle Rücklagen verfügen solltest, um die kritischen ersten Monate problemlos zu überstehen.

Wann ist ein Eintrag ins Handelsregister verpflichtend?

Ins Handelsregister eintragen musst du dich lediglich als eingetragener Kaufmann. Als Kleingewerbetreibender hast du allerdings das Recht dazu. Freiberufler sind per Definition keine Gewerbetreibende, können sich also auch nicht ins Handelsregister eintragen lassen. Der Eintrag erfolgt in Abteilung HR A. Typischerweise sind dort die folgenden Informationen zu finden:

  • Firmenname sowie Firmensitz mit Anschrift
  • Unternehmensgegenstand
  • vertretungsberechtigte Personen, Mitglieder und Kommanditisten
  • Rechtsform
  • Höhe des Grund- oder Stammkapitals sowie
  • Angaben zur Insolvenzeröffnung und Löschung.

Vor- und Nachteile der Einzelunternehmung

Als Einzelunternehmer profitierst du nicht nur von einer einfachen, schnellen und kostengünstigen Unternehmensgründung. Ausschlaggebend für die große Beliebtheit der Einzelunternehmen ist auch das hohe Maß an Freiheit, das damit einhergeht. Einzelunternehmer können ihr Geschäft im Grunde nach eigenem Gutdünken ins Leben rufen und führen. Sie benötigen weder ein hohes Startkapital, noch sind sie zu Absprachen und Kompromissen mit Mitgründern, Mitgesellschaftern und Geldgebern verpflichtet. Mit anderen Worten: Als Einzelunternehmer bist du im Wortsinn dein eigener Herr.

Genau das kann allerdings auch einen Nachteil darstellen: Einzelunternehmer müssen ein hohes Maß an Verantwortung, Entscheidungsfreude und Disziplin mitbringen, um erfolgreich bestehen zu können. In dieser Position musst du täglich Entscheidungen treffen – auch die ungeliebten. Als größter Nachteil gilt die Frage der Haftung – für dein Einzelunternehmen haftest ausschließlich du, mit deinem gesamten Vermögen. In jedem Fall erscheint es deshalb sinnvoll, das Haftungsrisiko durch eine Berufshaftpflichtversicherung zumindest ein wenig einzuschränken.

Alle hier genannten Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Wir weisen jedoch daraufhin, dass wir keine Haftung für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der gemachten Angaben übernehmen können. Insbesondere ersetzt dieser Inhalt keine rechtliche oder steuerliche Beratung im Einzelfall. Für eine Beratung in rechtlichen oder steuerlichen Angelegenheiten wende dich bitte an einen Anwalt oder Steuerberater deines Vertrauens.